Wenn ich in einen Schuhladen gehe, möchte ich in der Regel neue Schuhe. Häufig werde ich von einer Auswahl der Modelle im Schaufenster angelockt und probiere dann drei bis vier Schuhe, um dann ein Paar – oder selten auch kein Paar – zu kaufen. Eine gute Verkäuferin wird meine Wünsche schnell daran erkennen, welches Regal ich genauer inspiziere und mir schnell die für mich passenden Größen aus dem Keller (oder wohin die sonst immer verschwinden) bringen. Müsste ich, um Schuhe zu kaufen, durch eine riesige Lagerhalle mit allen verfügbaren Modellen und Größen taumeln, hätte ich mir die letzten paar Paar sicherlich gespart.
Wieso soll der Einkauf im Internet anders sein?
Warum stellt man seine Kunden vor eine digitale Lagerhalle und lässt sie mit einer oft weniger guten Suchfunktion alleine? Ein Grund könnte Google sein: Denn bis vor einigen Jahren war es durchaus sinnvoll, der Suchmaschine möglichst viel „Futter“ zu geben. Viele Produkte in vielen Varianten und Größen bedeuteten viele Unterseiten. Und weil Google eine Datenkrake ist, hat der Algorithmus daraus ein paar Pluspunkte gebastelt.
Doch das hat sich grundlegend verändert. Was zählt, ist nun das Nutzerverhalten: Nur Seiten, auf denen sich die User technisch messbar wohl fühlen, haben noch eine Chance im Google-Index auf gute Plätze. Dieser technisch gezählte Wohlfühlfaktor ist die Verweildauer, begleitet von guten Durchklickraten aus den Suchergebnissen. Und zwar gilt dieser Wohlfühlfakor nicht nur jeweils für die eine URL – sondern auch im Durchschnitt. Wer also einige starke Seiten mit hoher Verweildauer und nur wenige mit kurzer Verweildauer hat, bekommt ein Pluspunkt für die ganze Domain. Wer dagegen wenig gute aber sehr viele unnötige Seiten hat, bekommt Punktabzug.
Das heißt aber auch: Seiten mit schlechter Performance (z.B. diese roten Männersandalen in den Größen 38 und 48, die niemand kauft) können die Top-Produkte durchaus nach unten ziehen. Wir sollten also darauf achten, dass wir nicht mehr alle Produkte in den Index stopfen, sondern dabei strategisch vorgehen.
So macht man’s richtig
Mein Vorschlag: Schätzungsweise machen Sie 80 Prozent Ihres Umsatzes mit etwa 20 Prozent Ihrer Produkte. Diese Produkte sind Ihre Kategorie „A“. Tun Sie dafür einfach alles: Eigene Fotos, unique Produkttexte und was Ihnen sonst noch einfällt. Dann definieren Sie vielleicht 30 Prozent Produkte, die ein hohes Potential haben als Kategorie „B“. Diese sollten natürlich auch in den Index und zumindest „gut“ behandelt werden. Natürlich nur in jeweils einer Variante, wobei die Farbe („rotes T-Shirt“) durchaus eine solche sein kann. Alle anderen Produkte (immerhin 50 Prozent) stellen Sie nun über die Meta-Angaben auf „noindex“. Diese Produkte werden zwar weiterhin auf Ihrer Seite zu finden sein und Ihre Kunden können sie auch kaufen – aber der Google-Crawler wird sie links liegen lassen.
Kurz: Fokussieren Sie sich auf ihre wirklich guten Produkte und stecken Sie in diese alle vorhandene Energie. Dazu gehören natürlich auch die interne Verlinkung zu diesen Produkten und entsprechende Empfehlungs-Teaser. Den positiven Effekt werden Sie vermutlich bald merken: Nicht nur, dass sich Ihre Kunden dank der Verlinkung zu Top-Produkten wohler fühlen und hoffentlich mehr kaufen. Auch Ihre Sichtbarkeit in Ihrem Themengebiet wird wie durch Zauberhand steigen. Denn für Google hat die (durchschnittliche) Qualität Ihres Shops deutlich gewonnen.
In diesem Sinne: Ein frohes Weihnachtsgeschäft!